Wladimir Putin hat dieser Tage im Interview mit der Financial Times das Ende des Liberalismus verkündet. Er war der Erste nicht, der das tat. Von Mussolini bis Stalin sind die Friedhöfe gefüllt mit Totengräbern des Liberalismus, erinnert uns der russische Publizist Igor Jakowenko. Auch erinnert er uns an eine Aussage von Putin, die nicht älter ist als gute fünf Jahre. Im Januar 2014 belehrte er ausländische Journalisten, dass er, Putin, ein „echter Liberaler“ sei, der sich „den liberalen Ansichten“ verpflichtet fühle. Es folgte die 180-Grad-Wende innerhalb von fünf Jahren. Am 27. Juni 2019 sagte er der Financial Times, die liberale Idee habe sich seiner Meinung nach überlebt. Denn dieser Idee zufolge müsse man überhaupt nichts tun, alles sei erlaubt. „Morde, stehle, vergewaltige – es wird dir nichts passieren, weil du Migrant bist“.

Das Verfallsdatum von Ansichten des russischen Präsidenten ist nicht erst seit gestern äußerst begrenzt. Nicht vergessen seine Versicherung aus dem Jahr 2004 gegenüber dem damaligen spanischen Premier, der in Moskau zu Gast war. Putin erklärte ihm, der Beitritt der Ukraine zur EU sei wünschenswert, weil das ein Beitrag zur Stabilität in Europa sei. 2013/14 war allein ein Assoziierungsabkommen mit der EU, an dem drei ukrainische Präsidenten gewirkt hatte – Krawtschuk, Juschtschenko, Janukowitsch – ein Kriegsgrund. 2008, nach dem Georgien-Krieg und der Abtrennung der georgischen Provinzen Abchasien und Südassetien vom Mutterland, erklärte Putin dem ARD-Korrespondenten Thomas Roth, Moskau erhebe keine Ansprüche auf die Krim, deren Zugehörigkeit zur Ukraine sei durch Verträge geregelt. 2014 wurde die Krim völkerrechtswidrig „heim ins Reich“ geholt.

In der It-Sprache gibt es den Begriff „Wysiwyg“. Es ist das Akronym für den Grundgedanken „What You See Is What You Get“ (Was du siehst, ist [das], was du bekommst.) Leicht abgewandelt heißt das, auf den Kremlchef bezogen: Was Du von ihm hörst, bekommst Du nur selten.

https://newtimes.ru/articles/detail/182414

2019-07-02T04:36:56+01:00