Rezensionen 2019-02-20T17:21:11+01:00

Rezensionen

Russischer Seelentrip mit Gurkenwasser

Das schönste an den Russland-Klischees ist, dass sie oft stimmen. Ja, im größten Flächenstaat der Welt gibt es sie wirklich, die gescheit(ert)en Alltagsphilosophen, die abends gerne mal zu tief ins Wodkaglas schauen, um sich am morgen danach mit Gurkenwasser mühsam wieder aufzurappeln. Dass der Autor nicht nur die russische Seele und deren Gepflogenheiten, sondern auch die moderne Realität Russlands gut kennt, wird in den vielen authentischen Details dieses unterhaltsamen Buches deutlich. Ja, man spült einen guten Wodka wirklich besser nicht mit Bier herunter. Und auch die Beschreibung einer billigen russischen Imbissbude am Straßenrand (Kunststofftischdecke auf Alu-Tisch, Plastikblumen, Piroschki und Tischnachbarn, die dich mit „Bratan“ anreden) trifft genau. Die „Diamantentropfen“ sind skurril und witzig, sie lesen sich leicht, aber dort, wo die Geschichte Anspielungen auf Putins reales Russland enthält, wird Manfred Quirings Satire sehr spitz. Ich kann das Buch nur empfehlen!
Aleksei Makartsev, Journalist

Fabulierlust und Sachkenntnis

Lieber Freund,
habe mir Dein aktuelles Oeuvre dank Deiner Mail heruntergeladen und gleich mal auch Ines noch eine Printausgabe aufs Geburtstagsauge gedrückt. Erst mal so.
Mittlerweile bin ich zu Dreiviertel durch und vermute mal, dass Du eine grimmige Freude beim Schreiben hattest. Ich habe solcherlei nämlich nicht minder. Beim Lesen. Bin hingerissen! Weil die Fabulierlust des Manfred Q. hier auf die von ihm gewohnte Sachkenntnis trifft. Und man glaubt ihm jedes Wort und dass sich all das so oder so ähnlich zugetragen hat oder zuträgt oder zutragen wird. Und wenn nur die Hälfte von allem wahr wäre – haarsträubend komisch!!!! Und trüge immer noch mehr zum Verständnis von Deutschlands östlichem Schicksals-Partnerland bei, als die allseits bekannten Experten in den inzwischen unerträglich gewordenen Talkshows abzusondern pflegen.
Also, mein Lieber: Glückwunsch und heiter-große Hochachtung und glockenhelles Lachen; das sich bei mir spätestens einstellte als Onkel Aladins Leibwächter die Rückrufaktion von GM verpassten.

Manfred Wagenbreth, Musiker

Wagenbret Huhlmann – Lauter Lieder

Sto gramm auf diese spannende, witzige Geschichte!

Nein, Politsatiren gehören nicht zu meiner Lieblingslektüre. Da ich aber Manfred Quirings Texte für Zeitungen und seine Russland-Bücher mit großem Interesse gelesen habe, war ich neugierig auf seinen ersten Roman, und ich wurde nicht enttäuscht: Er hat seinem Affen Zucker gegeben und eine Geschichte erfunden voll bizarrer Einfälle, irrsinniger Wendungen und hintergründigem Humor. Quiring kennt Historie, Politik und Topografie Russlands (und der einstigen Sowjetrepubliken), die Sprache und Mentalität der Menschen so gut, als sei er dort aufgewachsen. Das macht diesen Krimi so überzeugend und spannend. Darauf sto gramm!

Brigitte Biermann, Buchautorin (Frauen vor Gericht (e-book), Engel haben keinen Hunger, Im Leben gibt es keine Proben, u.v.a.)

Kaum zu glauben, aber wahr …

»Diamantentropfen« ist wirklich ein prima Ebook. Sehr spannend zu lesen und mit fantastischem Ausgang 😉 Die Ereignisse und handelnden Figuren scheinen unglaublich, sind aber echt. So etwas kann man auch kaum erfinden. Der Autor hat das russische Leben (die russische Seele) aufmerksam beobachtet und die bisweilen vorhandene Absurdität dieses Lebens sehr schön dargestellt. Fünf Sterne dafür von mir!

Von Gustav Mahler am 30. Oktober 2015, Format: Kindle Edition

Ist es auch Wahnsinn hat es doch Methode

Von deutschen Autoren ist man in Sachen Humor ja im Allgemeinen nicht sonderlich verwöhnt. Möge Quirin nicht eine der wenigen Ausnahmen sein, die diese Regel bestätigen. Im ersten Moment scheint vieles in diesem Buch ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Doch so ziemlich alles entspricht der dort herrschenden Realität. Fast alle der im Buch geschilderten Vorkommnisse bildeten schon Schlagzeilen in russischen Zeitungen.

Es geht um das altbekannte Problem einer zu geringen Geburtenrate in Russland. Werden nicht mehr Russen geboren, so nimmt die Bevölkerung bis 2050 um mehr als zwanzig Millionen ab. Um diesen Trend umzukehren hat ein junger Genetik die Idee das Problem durch die Einrichtung von Samenbanken zu lösen. Der edelste Samen ist der des Präsidenten, der der Sache wohlwollend gegenübersteht, denn wer hätte einen besseren Samen als er zu bieten. Die Verwicklungen die dieses Projekt auslöst und wie der ganz normale Wahnsinn wieder einmal um sich greift, sorgt für beste Unterhaltung, denn jeder versucht sich an diesem Projekt zu bereichern: die Kremlverwaltung, die Geheimdienste, die Mafia. Je bedeutender das Vorhaben, desto mehr Mittel fließen. Und was könnte es edleres als des Präsidenten Erbgut geben. Am Ende kommt es wie immer. Das Projekt scheitert, nicht zuletzt am Einspruch der Kirche.

Aber das Buch bietet mehr als nur Unterhaltung. Es ist auch eine, wenn auch recht komische Einführung in das russische Wesen, einschließlich des Staatswesens. Vor allem aber ist es wirklich gut geschrieben. Lesenswert.

Mittlerweile ist die Fiktion übrigens von der Realität eingeholt worden. So forderte vor kurzem eine Abgeordnete in der Duma, dass des Präsidenten Samen allen Russinnen zur Verfügung gestellt werden müsse.

Von Bernhard K. am 13. August 2016, Format: Taschenbuch